Interview Petar Popovic

VIERWALDSTÄTTER KONZERTE: DUO FLÖTE&KLAVIER 02.02.2019

Interview mit Petar Popović (wurde geführt durch Anna Vinogradova)

Anna Vinogradova: Petar, Sie begannen Musik in Ihrer Heimatstadt, im serbischen Novi Sad, zu studieren, führten Ihre Ausbildung bei Dejan Gavric in Mainz und Pirmin Grehl in Luzern fort. Bitte erzählen Sie uns etwas über Ihren professionellen Werdegang. Weshalb haben Sie die Flöte ausgewählt?

Petar Popović: Als ich 9 Jahre alt war, habe ich ganz zufällig angefangen Flöte zu spielen. In dem Moment war mir nicht bewusst, dass man daraus seinen Beruf machen kann. Meine Grundschullehrerin hatte mir vorgeschlagen, mit der Musik anzufangen. Sie dachte, ich hätte Talent dafür. Ich bin immer noch nicht sicher, ob sie recht hatte oder nicht. Letztendlich ging ich zur Aufnahmeprüfung der Musikschule nur um herauszufinden, dass es freie Platze in der Flötenklasse gab. Das erleichterte natürlich meine Entscheidung sehr. Heute aber bin ich sehr dankbar und glücklich, dass ich die Flöte wählte. Als ich noch im Musikgymnasium war, wurde mein Wunsch immer stärker, im Ausland zu studieren. Nun kann ich sagen, dass all das, was ich mir im musikalischen und professionellen Sinne gewünscht hatte, mir von meinen zwei Lehrern in Deutschland und in der Schweiz gegeben wurde, sowie davor in Serbien.


Anna: Zur Zeit sind Sie Assistent in der Klasse Prof. Laura Levai-Askin an der Musikakademie Novi Sad. Wie und wann nahmen Sie Ihre pädagogische Tätigkeit auf? Planen Sie auch weiterhin zu unterrichten?

Petar: Nach dem Studium in der Schweiz kehrte ich nach Serbien zurück und bekam 2017 die Assistentenstelle an der Hochschule der Künste in Novi Sad. Die Zusammenarbeit mit den Studenten geniesse ich sehr und gerne führe ich diese Aktivität weiter. Man lernt jeden Tag etwas Neues beim Unterrichten. Nicht zuletzt bin ich dankbar zurück in meiner Heimatstadt zu sein, näher an Familie und Freunden.


Anna: Sie sind Teilnehmer und Gewinner vieler Wettbewerbe. wie z.B. in Belgrad, Israel und Polen. Was denken Sie über Wettbewerbe? Können Sie einschätzen, ob es für junge Musiker heutzutage möglich ist, ohne die Teilnahme an diesen eine Musiker-Karriere aufzubauen?

Petar: Ich bin überzeugt, dass man auch ohne Wettbewerbe eine Karriere aufbauen kann. Was ich aber persönlich bei der Teilnahme an Wettbewerben schätze, ist die Vorbereitung. Man muss bis zu einem bestimmten Zeitpunkt sehr oft ein grosses Programm bereit haben, was sehr motivierend und positiv auf die musikalische Entwicklung wirken kann. In diesem Sinne ist das Endergebnis des Wettbewerbes selbst nicht mehr so wichtig.


Anna: Sie haben in verschiedenen Ensembles und Orchestern gespielt. Was liegt Ihnen näher, Solo oder Ensemblespiel? Wie ergänzen diese zwei Arten des Musizierens einander?

Petar: Mir gefällt es sehr, in verschiedenen Ensembles und Orchestern zu spielen. Was mir aber näher liegt, fällt mir schwer zu beantworten. Jede neue Erfahrung und Zusammenspiel schätze ich äusserst. Solange alle Beteiligten ernsthaft bei der Sache sind, bin ich zufrieden. So hat man auch an schwierigsten Aufgaben Freude.


Anna: Wer hat Sie, abgesehen von Ihren Lehrern, am meisten musikalisch beeinflusst? Kann man von eine bestimmte "Schule" sprechen?

Petar: Ich denke, Einflüsse sind überall in unserem Leben zu finden. Es kann ein neues Land sein, in dem man lebt, Konzerte, CD-Aufnahmen, Freunde, andere Musiker, Meisterkurse, usw. Von eine bestimmte Schule ist, glaube ich, heutzutage ziemlich schwer zu reden.
Die traditionellen Schulen der verschiedenen Länder, vor allem Europas, haben sich auf solche Weise miteinander vermischt, dass man bei den heutigen Musikern Einflüsse aus allen Richtungen heraushören kann.


Anna: Haben Sie an Meisterkursen teilgenommen? Finden Sie solche "Express-Kurse" nützlich?

Petar: Ich habe an vielen Meisterkursen teilgenommen und werde sehr wahrscheinlich noch einige besuchen. Diese schnelle Art des Lernens in kurzer Zeit finde ich unschätzbar wertvoll. Man trifft sich mit neuen Lehrern und erfährt verschiedenste Meinungen, von denen man nur profitieren kann. Oft habe ich auch Kontakte geknüpft, die ich heute noch pflege. Jede Art von Anreiz ist von grossem Wert und bietet Inspiration für den Alltag.


Anna: Was für ein Programm präsentieren Sie bei dem zweiten Vierwaldstätter-Konzert? Wie begann Ihre Zusammenarbeit mit Marina Vasilyeva?

Petar: Beim Vierwaldstätter-Konzert präsentieren wir ein relativ neues Programm, das wir vor ein paar Monaten in Serbien zum ersten Mal aufgeführt haben. Wir haben es zusammengesetzt aus Meisterwerken französischer und deutscher Flötenmusik, die als Standardrepertoire gelten. Ein jeder Flötist geht diese wunderschönen Stücke früher oder später einmal durch.
Es freut mich sehr und ich bin stolz darauf, dass Marina und ich schon seit einigen Jahren zusammen spielen. Wir lernten uns während unserer Luzerner Zeit kennen und behielten seit unserem ersten Zusammenspiel musikalischen und freundschaftlichen Kontakt. Jede neue Gelegenheit mit ihr arbeiten zu dürfen ist für mich ein besonders wertvoller Moment. Wir gestalteten bereits einige Rezitale miteinander, unter anderem auch in dieser wundervollen Markuskirche, die für uns eine der besten Akustiken in Luzern bietet.